Tala gesucht

16.11.2015 17:00

In einem Casting mit 16 jungen Talenten wurden Darsteller für die Uraufführung von "Tala und die vergessenen Tore" gesucht. Es war ein ereignisreicher und inspirierender Tag für das Team und die Teilnehmer!

Hier der am 2. November 2015 veröffentlichter Zeitungsartikel in der Badischen Zeitung:

Die Situation ist für alle neu und ungewohnt: Für die Tanzlehrerin Kathrin Wimmer-Keil ist es eine Premiere und auch die 16 Mädchen und Jungen kennen Castings bislang nur aus dem Fernsehen. Anders als bei RTL, Pro7 und Sat1 wird das Casting in der Tanzschule Dance Generation in Staufen jedoch zu einer durchweg positiven Erfahrung für alle Beteiligten.

Voller Körpereinsatz beim Casting in der Ballettschule mit Maria Hermann (rechts)

Foto: Martina Faller

 

"Vergesst, dass ihr bei einem Casting seid", ruft die Schauspielerin Maria Hermann den 14 Mädchen und zwei Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren zu, die sich im Übungssaal der Tanzschule eingefunden haben. "Stellt euch vor, ihr seid eine Theatercompany und versucht einfach Spaß zu haben." Eine kleine Theatercompany – das ist genau das, was die beiden Schwestern Maria Hermann und Kathrin Wimmer-Keil mit Hilfe des Castings zusammenstellen wollen.

Im Mai kommenden Jahres werden sie in einem großen Tanztheaterprojekt einen von Maria Hermann geschriebenen Jugendroman in mehreren Aufführungen auf die Bühne bringen. Und während die rund 200 Tänzer unter der Leitung von Kathrin Wimmer-Keil bereits mit den Proben begonnen haben, gilt es die Schauspielrollen erst noch zu besetzen. Hat Kathrin Wimmer-Keil dafür bisher immer auf ihre Kontakte zu den Festspielen Breisach, Auerbachs Kellertheater und den Theater AGs des Faust-Gymnasiums gebaut, wagt sie dieses Mal den Versuch mit einem Casting.

Doch anstatt eines klassischen Vorsprechens erwartet die Mädchen und Jungen ein Schauspiel-Workshop, für den es nur eine Voraussetzung gibt: "Begegnet einander mit Wohlwollen und habt ein liebevolles Auge auf die anderen. Es ist immer eine Herausforderung und braucht Mut sich auf einer Bühne zu präsentieren", weiß Maria Hermann.

Kurz darauf erfüllen ächzende und stöhnende, jauchzende und frohlockende Laute den Raum. In einer ersten Übung werfen sich die Kinder einen imaginären Ball zu, der auf Zuruf von Maria Hermann seine Beschaffenheit ändert, mal bleischwer, mal luftig leicht, mal glitschig und eklig, mal schön und knuffig ist. Als nächstes sollen sie die "Bühne putzen". "Im Theater bedeutet das, dass die Schauspieler die Bühne bis in alle Ecken ausnutzen sollen", erklärt Hermann.

 

Kathrin Wimmer-Keil und Pia Riesterer sitzen beobachtend am Rand, machen sich Notizen. Die Casting-Teilnehmer gehen zunächst als neugierige Kinder durch einen Wald, verwandeln sich kurz darauf in einen hochmütigen Raben, um im nächsten Moment als Wolf einem Hasen hinterherzujagen. "Es ist gar nicht leicht, von einer Rolle in die andere zu wechseln", sagt Maria Hermann. Die Aufgaben werden indes noch anspruchsvoller. Paarweise sollen die Kinder nonverbal eine Situation improvisieren. Charlotte und Joschi machen den Anfang. Gestenreich, mit sprechendem Gesichtsausdruck und einer breiten Skala an Tonlagen versucht Charlotte Joschi davon abzuhalten, über eine imaginäre Schlucht zu springen.

Mit viel Fantasie, Kreativität und Spielfreude gehen auch die anderen Paarungen an die Aufgabe heran. Maria Hermann, Kathrin Wimmer-Keil und Pia Riesterer achten derweil auf die Körpersprache der jugendlichen Akteure, darauf, wie sie Anweisungen aufgreifen und Emotionen ausdrücken. "Für mich ist wichtig, ob Energie rüber kommt", sagt Maria Hermann.

Am Ende müssen die Teilnehmer doch noch einige wenige Zeilen Text lernen und vorsprechen, jeder einzeln. 16 Mal heißt es "Bühne frei!", 16 Mal ist die Anspannung zu spüren, das Durchatmen zu hören und das kurze Sich-Sammeln in den Gesichtern genauso abzulesen, wie die Erleichterung, die im wohlwollenden Applaus der anderen ihren akustischen Widerhall findet. "Ich war sehr oft berührt und habe Tränen gelacht", bekundet Pia Riesterer in der Feedback-Runde und auch Maria Hermann lobt, "ihr habt euer Bestes geben, seid gut aus euch rausgegangen und habt die ganze Zeit über super mitgemacht."

Umso schwieriger wird es nun für die drei Jurorinnen eine Entscheidung zu fällen. Zu besetzen gibt es nur drei Rollen: das Mädchen Tala, der Rabe und der Wolf. Zwei Wochen wollen sich die Damen mit ihrer Entscheidung Zeit lassen und dann per E-Mail Bescheid geben, bevor bald die Proben beginnen. "Wenn ihr keine Rolle bekommt, könnt ihr trotzdem mitmachen. Wir brauchen viele Helfer, Statisten und doppelte Besetzungen", tröstet Kathrin Wimmer-Keil. Für sie steht heute schon fest steht: "Das machen wir ab jetzt immer so!" Auch für die Teilnehmer war das Casting eine positive Erfahrung. "Ich war am Anfang ein bisschen nervös, aber dann hat es total viel Spaß gemacht", sagt die zehnjährige Charlotte.

 

www.badische-zeitung.de/in-einem-casting-hat-die-staufener-ballettschule-darsteller-fuer-ihr-grosses-theaterprojekt-gesucht

Weitere Fotos von dem Casting findest Du in unserer Fotogalerie