Tala stellt sich vor

16.11.2015 17:01

Im Oktober 2015 erscheint dieser Artikel in der Badischen Zeitung, in welchem die Autorin Maria Hermann (links) die Geschichte von Tala vorstellt und gemeinsam mit der Choreographin und Tänzerin Kathrin Wimmer (rechts) Darsteller/innen für ihr gleichnamiges Tanztheaterprojekt suchen

Foto: Nikola Vogt

 

"Offen sein und Spielfreude mitbringen"

BZ-INTERVIEW: Kathrin Wimmer-Keil und Maria Hermann suchen Schauspieler für ein großes Theaterprojekt der Staufener Ballettschule.

STAUFEN. Alle zwei Jahre bringt Kathrin Wimmer-Keil mit ihrer Staufener Ballettschule "Dance Generation" ein Tanztheaterstück auf die Bühne. 2016 wird sie das Großprojekt erstmals gemeinsam mit ihrer Schwester, der Schauspielerin Maria Hermann, bestreiten. Sie hat das Theaterstück geschrieben. Wie es dazu kam und warum die Schwestern nun ein Casting planen, haben sie Nikola Vogt im Interview erzählt.

BZ: Frau Wimmer-Keil, Frau Hermann, woher stammt die Idee zu dieser "Familien-Produktion"?
Wimmer-Keil: Bei meinen Aufführungen sitzt eigentlich schon immer die ganze Großfamilie mit im Boot – sei es im Bereich Technik, Aufbau oder Dekoration. Nun war es so, dass Maria mir vor einiger Zeit erzählte, dass sie ein Buch geschrieben hat. Ich habe es gelesen und war total begeistert. Zu der Zeit war ich gerade am überlegen, welches Stück wir als nächstes aufführen könnten. Und da kam mir die Idee, Maria zu fragen, ob sie nicht eine Theaterfassung ihres Buches schreiben könnte.

BZ: Und das haben Sie gemacht.
Hermann: Ja. Das war gar nicht so einfach, den Inhalt meines Buches in eine Theaterfassung zu bringen, aber mittlerweile bin ich fast fertig.

BZ: Eigentlich sind Sie ja Schauspielerin. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass Sie ein Buch geschrieben haben?
Hermann: Ich hatte die Idee dazu 2008 und habe erst mal zwei Jahre lang nur Material gesammelt und gar nicht gewusst, ob ich es jemals zu Papier bringen würde. Ende 2010 habe ich mich aber doch hingesetzt und angefangen zu schreiben – und dann floss es und hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht.
Wimmer-Keil: Maria hat mir mit 12 schon erzählt, dass sie mal Bücher schreiben wird.
Hermann: Ja, aber dann hatte sich das durch meine Bühnentätigkeit erst mal wieder verloren.

BZ: Können Sie den Inhalt des Buches in wenigen Sätzen zusammenfassen?
Hermann: Es ist ein Jugendroman, in dem es darum geht, dass außer dieser Welt viele Parallelwelten existieren. Es gibt Weltenrisse, durch die man von einer Welt in eine andere gelangen kann. Protagonistin ist Tala, ein elfjähriges Mädchen, das in der Erdenwelt lebt. Sie hat besondere Fähigkeiten, kann jedoch nicht so recht damit umgehen. Eine verborgene Macht zieht die Fäden in Talas Welt. Diese Macht verbietet das Teilen von Wissen. Sie kommt Tala wegen ihrer Fähigkeiten auf die Spur und verfolgt sie. Doch Tala erhält Hilfe von Janus, der einer Rebellengruppe angehört. Er verhilft ihr zur Flucht in die Exilwelt, die gegen die geheime Macht der Erdenwelt ankämpft. Tala erlebt so unglaubliche Abenteuer und kommt nach und nach ihrem eigenen Geheimnis auf die Spur.

BZ: Und diesen Inhalt werden Sie nun mit Tänzern und Schauspielern auf die Bühne bringen. Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen beiden?
Wimmer-Keil: Ich kümmere mich mit meinen rund 200 Ballettschülern um den Tanz, den wir bereits seit vier Monaten proben. Maria wird sich um die Schauspielproben kümmern. Und dann werden wir Tanz und Schauspiel verknüpfen, weil die Szenen ineinander überfließen müssen. Es ist eine getrennte Arbeit, die dann zusammengeführt wird. Auch Pia Riesterer, die bei den vergangenen Aufführungen immer den Text geschrieben und das Schauspiel einstudiert hat, ist diesmal wieder mit im Team, um uns bei den Proben zu unterstützen.
Hermann: Da stehen dann kleine Kinder und Über-65-Jährige gemeinsam auf der Bühne. Und alle in diesem großen, großen Ensemble ziehen am gleichen Strang.

BZ: In den Vorjahren haben Sie mit "Momo" oder "Ronja Räubertochter" immer sehr bekannte Werke auf die Bühne gebracht. Diesmal ist der Inhalt des Stücks den Zuschauern völlig neu.
Wimmer-Keil: Ja, das ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Die Leute erwarten mittlerweile auch schon einiges von uns. Wir haben positiven Druck. Es wird auf jeden Fall spannend.

BZ: Und noch etwas ist neu: Zum ersten Mal suchen Sie acht bis zehn Schauspieler über ein Casting. Warum?
Wimmer-Keil: Mich haben schon oft Leute angesprochen, die Lust haben, mal bei uns mitzumachen und so bekommen sie jetzt die Möglichkeit.

BZ: Wer kann sich zum Casting anmelden?
Hermann: Wir suchen Laienschauspieler in drei Altersgruppen: Zehn- bis 13-Jährige, da ist auch die Rolle von Tala dabei, 17- bis 25-Jährige und 35- bis 65-Jährige. Es ist schön, wenn jemand schon Schauspielerfahrung hat, aber das ist kein Muss. Mir ist wichtig, dass jemand offen ist und Spielfreude mitbringt. Man sollte sich nicht zu schade ist, auch mal hässlich zu sein und Grimassen zu schneiden.

BZ: Wie wird das Casting ablaufen?
Hermann: Ich werde mit den Jüngeren sehr viel improvisieren und Spiele machen. Bei den älteren Teilnehmern wäre es toll, wenn sie einige Zeilen auswendig gelernten Text zum Casting mitbringen.
Wimmer-Keil: Wir hoffen natürlich, dass so viele wie möglich kommen und wir alle Rollen besetzen können. Es ist einfach ein neuer Versuch. Aber auch wenn jemand zum Casting kommt und keine Rolle bekommt, muss er nicht traurig nach Hause gehen. Es gibt auch Statistenrollen und sowieso viel Drumherum bei unseren Projekten. Wer mitmachen möchte, wird das auf jeden Fall in irgendeiner Weise tun können.
 

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